Meidan, 18. April
2014
Ich war am 18. April in Kiew. Die Unruhen rings um den Majdan hatten sich längst wieder gelegt. Trotzdem standen noch alle Barrikaden und der Platz war auch weiterhin besetzt. Die Besetzer waren zwischen 18 und 80. Viele trugen Kampfanzüge und schußsichere Westen. Einige hatten Schlagstöcke und Messer dabei. Sie saßen vor ihren Zelten auf alten Sofas und herausgerissenen Autositzen. Mannshohe Stapel aus Autoreifen und Verschläge aus Paletten und Stacheldraht gaben ihnen noch immer Deckung. Es wurde Holz gehackt und Suppe auf offenem Feuer oder auf einem Kanonenofen gekocht. Dixi Klos machten einem unmissverstänlich klar, dass solch ein Aufstand eine schmutzige Angelegenheit ist.

Auf diesen Fotos sind die Menschen kaum zu sehen. Ich habe vermieden sie direkt abzulichten. Man kann aber sicher gut erkennen, dass dies eine deutlich andere Art des Protestes ist, als eine Demonstration, wie wir sie hier in Deutschland kennen. Damit Menschen soweit gehen, müssen sie schon einem erheblichen Leidensdruck ausgesetzt sein. Das ist für uns, die wir immer nur auf hohem Niveau jammern, wohl kaum nachzuvollziehen. Umso mehr hat es mich beeindruckt.